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Guerilla
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Guerilla ([]cite-ref-1[1], ; Ă€ltere Form: Guerrilla; Verkleinerungsform zu spanisch guerra „Krieg“; wörtlich etwa „Kleinkrieg“cite-ref-kluge-2-0[2]) bezeichnet zum einen eine besondere Form des Krieges, die verdeutlichend als Guerillakrieg oder Guerillakampf bezeichnet wird.cite-ref-ldp-3-0[3]cite-ref-4[4] Der Begriff (die) Guerilla steht heute jedoch meistens fĂŒr aufstĂ€ndische Einheiten, die einen Guerillakrieg gegen BesatzungsmĂ€chte oder auch gegen die eigene Regierung fĂŒhren.cite-ref-5[5]

Daneben existiert (der) Guerilla als veraltende Bezeichnung fĂŒr einen einzelnen aufstĂ€ndischen KĂ€mpfer (im Plural die Guerillas), wobei heute meistens andere Begriffe verwendet werden, etwa GuerillakĂ€mpfer, WiderstandskĂ€mpfer oder Partisan.cite-ref-6[6] Die spanische Bezeichnung fĂŒr einen GuerillakĂ€mpfer ist guerrillero beziehungsweise weiblich guerrillera. Im Deutschen beziehen sich die Bezeichnungen Guerillero bzw. Guerillera in der Regel auf UntergrundkĂ€mpfer in Lateinamerika.cite-ref-7[7] Eine Sonderform der Guerilla ist die Stadtguerilla.

Kennzeichnend fĂŒr den Guerillakrieg sind verschiedene Taktiken, die zusammenfassend als Guerillataktik bezeichnet werden. Die Wahl bestimmter Taktiken hĂ€ngt unter anderem von den KrĂ€fteverhĂ€ltnissen und der Phase des Aufstandes ab. Die AufstandsbekĂ€mpfung erfordert besondere Maßnahmen („Anti-Guerilla-KriegsfĂŒhrung“). Auch eine regulĂ€re Armee kann Taktiken der Guerilla anwenden, insbesondere beim verdeckten Einsatz kleinerer militĂ€rischer Einheiten hinter den Linien des Feindes (siehe dazu Jagdkampf). Der Kampf regulĂ€rer Truppen gegen irregulĂ€re, aber auch regulĂ€re Truppen, zumeist in Afrika, aber auch in anderen Gebieten mit geringer Infrastruktur, wird auch als Buschkrieg bezeichnet.

Contents

‱ Begriff
‱ Wortherkunft
‱ Bedeutungen
‱ Ableitungen
‱ Merkmale
‱ Vorteile
‱ Nachteile
‱ Theoretiker
‱ Siehe auch
‱ Literatur
‱ Weblinks

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Begriff

Wortherkunft

Das Wort Guerilla wurde Anfang des 19. Jahrhunderts ĂŒber das französische guĂ©rilla aus dem spanischen guerrilla, einem Diminutivum (Verkleinerungsform) des spanischen guerra („Krieg“) entlehnt.cite-ref-eduden-8-0[8] Das spanische guerra geht, wie das französische guerre, auf das germanische *werra („Streit“) zurĂŒck, mit dem auch das althochdeutsche wĂ«rra („Verwirrung“, „Streit“), das mittelniederlĂ€ndische warre und das neuenglische war verwandt sind.cite-ref-9[9]cite-ref-eduden-8-1[8]

Historischer Hintergrund war der Spanische UnabhĂ€ngigkeitskrieg von 1807 bis 1814 gegen die französische Fremdherrschaft unter Napoleon. Als Ausgangspunkt fĂŒr den spĂ€teren Gebrauch des Wortes wird das spanische partida de guerrilla genannt, das ungefĂ€hr „SpĂ€htrupp“ bedeutet.cite-ref-kluge-2-1[2] In Deutschland wollte Friedrich Ludwig Jahn, der Turnvater, seine Turner als Guerilla gegen Napoleon fĂŒhren.cite-ref-10[10]

In Spanien hat das Wort guerrilla aufgrund seiner Verbindung mit dem Kampf gegen die französische Besatzungsmacht eine durchgehend positive Konnotation von Befreiung, Ă€hnlich wie in Deutschland die Befreiungskriege oder der Begriff „Volkskrieg“, wie er in den frĂŒhen Denkschriften von Gneisenau beschrieben ist.

Bedeutung erlangten die Begriffe Guerilla und Guerillakrieg insbesondere im 20. Jahrhundert als Bezeichnung fĂŒr sozial oder national begrĂŒndete Befreiungs- und UnabhĂ€ngigkeitskriege in weniger entwickelten LĂ€ndern, insbesondere zur Befreiung von den damaligen KolonialmĂ€chten im Zuge der Dekolonisation.cite-ref-ldp-3-1[3]

Bedeutungen

Die Bedeutung des Wortes Guerilla hÀngt auch vom grammatischen Geschlecht ab:

‱ die Guerilla: Guerillakrieg oder Guerillakampf, eine spezielle Art des Krieges. Diese ursprĂŒngliche Bedeutung ist heute eine Nebenbedeutung, das heißt, das Wort Guerilla wird selten mit dieser Bedeutung verwendet.
‱ die Guerilla: aufstĂ€ndische Kampfgruppen, die einen Guerillakrieg fĂŒhren. Dies ist heute im Deutschen die Hauptbedeutung.
‱ der Guerilla: einzelner GuerillakĂ€mpfer, WiderstandskĂ€mpfer, UntergrundkĂ€mpfer. In Europa werden irregulĂ€re Einheiten gewöhnlich als Partisanen bezeichnet, im Kontext von antikolonialen Bewegungen nach dem Zweiten Weltkrieg in der Regel als Guerilla. Die Bezeichnung Guerillero ist vor allem mit Bezug auf Lateinamerika ĂŒblich.

Ableitungen

Vom Begriff abgeleitet sind unter anderem das Guerilla-Marketing in der Wirtschaft sowie „Guerilla-Aktionen“ im politischen Bereich, wozu zum Beispiel Kommunikationsguerilla oder Guerilla Gardening zĂ€hlen.

Guerillakrieg

→

Hauptartikel

:

Asymmetrische KriegfĂŒhrung

Guerillakrieg bezeichnet eine Kampfform irregulĂ€rer einheimischer Truppen gegen eine feindliche Armee beziehungsweise Besatzungsmacht oder aber – im Zusammenhang mit einem BĂŒrgerkrieg – gegen die eigene Regierung.cite-ref-ldp-3-2[3] MilitĂ€rische Auseinandersetzungen unter Parteien, die politisch, strategisch und waffentechnisch stark unterschiedlich ausgerichtet sind, werden auch als asymmetrische Kriege bzw. Konflikte bezeichnet.

Beim Guerillakampf handelt es sich um eine „Waffe der Schwachen“ gegen einen militĂ€risch, vor allem militĂ€rtechnologisch ĂŒberlegenen Gegner. Voraussetzung fĂŒr einen Guerillakampf ist die fehlende Hoffnung der Bevölkerung, ihre politischen und sozialen Forderungen mit politischen und rechtlichen Mitteln erreichen zu können, wie dies in einer Diktatur oder einem von einer fremden Macht besetzten bzw. dominierten Land der Fall ist. Entscheidend fĂŒr den Erfolg der Guerilla ist der gleichzeitige, dem militĂ€rischen Kampf gleichwertige politische Kampf. In einer offenen Feldschlacht mĂŒsste die Guerillatruppe notwendig unterliegen, weil ihr die AusrĂŒstung einer konventionellen Armee fehlt und ihre KĂ€mpfer meist ĂŒber keine ausreichende militĂ€rische Ausbildung verfĂŒgen.

Merkmale

Ein entscheidendes Kennzeichen der Guerilla ist ihre hohe MobilitĂ€t und FlexibilitĂ€t, oft kombiniert mit dem Fehlen der Identifizierbarkeit als „rechtmĂ€ĂŸiger Kombattant“. Guerilla-Einheiten sind in stĂ€ndiger Bewegung, um dem militĂ€risch ĂŒberlegenen Gegner auszuweichen. Ihr Erfolg ist davon abhĂ€ngig, ob es ihnen gelingt, die Entscheidung darĂŒber zu behalten, an welchem Ort, zu welcher Zeit und unter welchen Bedingungen die militĂ€rische Konfrontation mit dem Gegner stattfindet. Die klassische Landguerillatruppe operiert meist aus den Bergen oder aus Dschungelgebieten heraus, welche beide optimales RĂŒckzugsgebiet bilden.

Die Guerillabewegung ist typischerweise auf die UnterstĂŒtzung der Landbevölkerung angewiesen, die sie mit Nahrungsmitteln und Informationen versorgt. Wenn der Grund fĂŒr den Kampf der Guerilla politische oder soziale MissstĂ€nde sind, die einen großen Teil oder die Mehrheit der Bevölkerung betreffen, ist deren UnterstĂŒtzung ĂŒblicherweise freiwillig. Mao Zedong fasste dies mit dem Satz „Der RevolutionĂ€r schwimmt im Volk wie ein Fisch im Wasser“ zusammen. In den bekannteren Guerillakriegen des 20. Jahrhunderts war dies meistens der Fall – wo die UnterstĂŒtzung der Bevölkerung nicht gegeben war, war auch der Versuch eines Guerillakampfs meist schnell zum Scheitern verurteilt. So fand Che Guevara bei dem Versuch, die Revolution 1966 auch nach Bolivien zu tragen, kaum UnterstĂŒtzung durch die indigene Bevölkerung. Das Vorhaben endete mit der fast vollstĂ€ndigen Aufreibung der Guerilla und schließlich seiner Gefangennahme und Exekution durch Regierungstruppen. Ausnahmen bilden Guerillaarmeen, die starke UnterstĂŒtzung aus einem anderen Land erfahren, etwa die Nationale Front fĂŒr die Befreiung SĂŒdvietnams („Vietcong“) durch Nordvietnam wĂ€hrend des Vietnamkriegs oder die von den USA unterstĂŒtzten Contra-Rebellen im Contra-Krieg gegen die linke Regierung Nicaraguas ab etwa 1980.

Als typische Merkmale gelten in der Politikwissenschaft:cite-ref-ldp-3-3[3]

‱ Die Einheit von Guerillas und Teilen der Zivilbevölkerung. Die Bevölkerung billigt den Guerillakrieg, unterstĂŒtzt diesen oder nimmt aktiv daran teil.
‱ Die Beschaffung von Waffen vor allem aus den BestĂ€nden des militĂ€rischen Gegners.
‱ Die Basis und HauptstĂŒtzpunkte bilden meist lĂ€ndliche Gebiete. StĂ€dte werden erst in einem fortgeschrittenen Stadium des Guerillakrieges in Kampfhandlungen einbezogen.
‱ Traditionelle Kampfformen regulĂ€rer StreitkrĂ€fte bleiben weitgehend unwirksam. Daher können Guerillas auch einem zahlenmĂ€ĂŸig und waffentechnisch ĂŒberlegenen Feind gewachsen sein.

Typische Eskalationsstadien

Guerilla-Kriege durchlaufen in der Regel folgende Phasen:

‱ Der Guerillakampf beginnt als Aufstandsbewegung, also ohne oder mit nur schwacher eigener Bewaffnung. Typischerweise verfĂŒgen die Guerilleros in dieser Phase nur ĂŒber Handfeuerwaffen wie Pistolen, Karabiner oder Sturmgewehre, Handgranaten und leichte Granatwerfer, also von Fußtruppen tragbare Infanterie-Waffen. Die Waffenbeschaffung erfolgt meist durch ÜberfĂ€lle auf gegnerische MilitĂ€reinheiten oder -einrichtungen, Waffenkauf von korrupten FunktionĂ€ren der gegnerischen Regierungstruppen, oder in manchen FĂ€llen auch durch Lieferungen aus dem Ausland – letzteres insbesondere, wenn die Guerilla von einem anderen Staat unterstĂŒtzt wird, wie etwa die Contra-Rebellen in Nicaragua durch die USA, oder seit 2011 die Rebellen im Syrischen BĂŒrgerkrieg. Die KĂ€mpfer sind keine Soldaten und verfĂŒgen hĂ€ufig nicht einmal ĂŒber eine militĂ€rische Ausbildung. Sie sind Teil der Zivilbevölkerung und werden auf Grund ihrer politischen Ziele durch diese unterstĂŒtzt. In dieser Phase können Guerilla-Einheiten keine strategischen Erfolge erringen, also etwa strategisch wichtige Gebiete dauerhaft besetzen, sondern mĂŒssen sich stets wieder zurĂŒckziehen.

‱ Ohne die UnterstĂŒtzung der Bevölkerung ist die Guerilla zum Scheitern verurteilt. Das unterscheidet die Guerilla vom Terrorismus, der auch ohne UnterstĂŒtzung der Bevölkerung auskommt.
‱ Bei regionalen, dann aber nur stationĂ€ren Erfolgen ist die Transformation zu einem Warlord-System möglich.

‱ Die offensive Phase des Guerillakampfes ist dadurch gekennzeichnet, dass die MobilitĂ€t des Gegners eingeschrĂ€nkt ist. Die Regierungs- oder Besatzungstruppen verfĂŒgen nur noch ĂŒber strategisch wichtige befestigte StĂŒtzpunkte und können sich außerhalb dieser nur noch eingeschrĂ€nkt bewegen. In dieser Phase ĂŒbernimmt die Guerilla-Bewegung die Initiative und organisiert sich typischerweise in grĂ¶ĂŸeren Kampfeinheiten mit fester Struktur.
‱ Zur Erreichung strategischer Ziele mĂŒssen die Guerilla-Einheiten die Form einer zentral gelenkten Armee annehmen. Sie treten damit aus der taktischen, defensiven Phase in eine strategisch offensive Phase ein. Es entsteht eine Revolutionsarmee.

Erfolgreiche Guerillakriege

Der Guerillakrieg gilt als Kampfform von Befreiungsbewegungen. Als erfolgreiche Beispiele werden in der Politikwissenschaft genannt:cite-ref-ldp-3-4[3]

‱ Marokko (1921–1927, vgl. Rifkrieg)
‱ China (1927–1949, vgl. Chinesischer BĂŒrgerkrieg)
‱ Algerien (1954–1962, vgl. Algerienkrieg)
‱ Kuba (1956–1959, vgl. Kubanische Revolution)
‱ Vietnam (1946–1975, vgl. Indochinakrieg und Vietnamkrieg)
‱ Nicaragua (1961–1979, vgl. Nicaraguanische Revolution)
‱ Eritrea (1961–1991, vgl. Eritreischer UnabhĂ€ngigkeitskrieg)

Weitere Beispiele fĂŒr GuerillakĂ€mpfe

Europa

‱ Eine sehr lange Zeit war der erfolgreiche Kampf der Geusen als niederlĂ€ndische FreiheitskĂ€mpfer gegen die spanische Herrschaft im AchtzigjĂ€hrigen Krieg (1568–1648) eine Guerilla.
‱ Die schwedischen Snapphanar (dĂ€nisch: Snaphaner) kĂ€mpften im 17. Jahrhundert in den ursprĂŒnglich dĂ€nischen Gebieten des heutigen SĂŒdschwedens mit einer Guerillataktik gegen die königliche schwedische Armee. Vor allem im Nordischen Krieg (1674–1679) (auch Schonischer Krieg genannt) waren sie sehr erfolgreich. Am 26./27. Juli 1676 fiel aufstĂ€ndischen Bauern und FreischĂ€rlern im sogenannten „Loshult-Coup“ bei dem gleichnamigen Ort die gesamte Kriegskasse Karls XI. im Wert von 50.000 Reichstalern in die HĂ€nde. Diese bestand aus ca. 250 Wagen mit wertvollen MetallmĂŒnzen, den sogenannten Kupferzetteln.
‱ Kampf der Spanier wĂ€hrend der Napoleonischen Kriege auf der Iberischen Halbinsel von 1809 bis 1812
‱ SĂŒditalien im 19. Jahrhundert: Die Briganten unterstĂŒtzten zunĂ€chst die FreischĂ€rler unter Giuseppe Garibaldi im Kampf gegen das Königreich beider Sizilien (neben ihren RaubzĂŒgen gegen Großgrundbesitzer und Gutsherren). Danach, enttĂ€uscht von der neuen italienischen Monarchie, wandten sie sich auch gegen das italienische Heer. FĂŒr seine Guerillataktik bekannt war der legendĂ€re AnfĂŒhrer Carmine Crocco. Zeitweilig kontrollierte er bis zu 40 Banden aus verarmten und zumeist landlosen vormaligen Kleinbauern und Landarbeitern.cite-ref-11[11]cite-ref-12[12]
‱ Im Irischen UnabhĂ€ngigkeitskrieg (1919–1921): der Kampf der IRA gegen die britische Vorherrschaft in Irland.
‱ Im Irischen BĂŒrgerkrieg (1922/23): der Kampf der Anti-Vertrags-IRA gegen den Anglo-Irischen Vertrag und die Truppen des neuen sĂŒdirischen Freistaates Irland.
‱ Im Nordirlandkonflikt (1969–1998): der Kampf der Provisional Irish Republican Army (IRA) und anderer irisch-republikanischer Gruppen fĂŒr die Loslösung Nordirlands vom Vereinigten Königreich und die Wiedervereinigung Irlands zu einer unabhĂ€ngigen Republik.
‱ Jugoslawien (1996–1999): KĂ€mpfe der UÇK (Ushtria Çlirimtare e KosovĂ«s) gegen Einheiten der jugoslawischen Volksarmee und serbische Polizeieinheiten.

Asien

‱ Die Huks kĂ€mpften auf den Philippinen zunĂ€chst gegen die japanische Besatzung und nach dem Zweiten Weltkrieg bis 1954 fĂŒr radikale Agrarreformen.
‱ Der Krieg der Việt Minh gegen japanische Besatzung, französische Kolonialmacht und spĂ€ter gegen US-amerikanische Besatzungstruppen 1941–1975 endete mit der Errichtung eines sozialistischen Staates
‱ Der Guerillakampf der Gruppe LTTE um Tamil Eelam, dauerte von 1986 bis 2009.
‱ Der Guerillakrieg der nepalesischen Maoisten begann 1996 und ist seit 2006 vorerst eingestellt.
‱ In Indien gibt es seit den 1960er Jahren Guerillaaktionen der maoistisch orientierten Naxaliten. Sie agieren zumeist im lĂ€ndlichen Raum, mittlerweile nurmehr mit sporadischen AnschlĂ€gen. Ähnliche Guerillataktiken verfolgt die fĂŒr ein eigenstĂ€ndiges Assam eintretende Separatistenorganisation United Liberation Front of Asom.
‱ Die libanesische Organisation Hisbollah fĂŒhrte, wie z. B. im Libanonkrieg 2006, dem Guerilla-Krieg nahestehende, paramilitĂ€rische Kampfhandlungen aus.
‱ Die kurdische Guerilla-Bewegung, auch bekannt als PKK, kĂ€mpft gegen die tĂŒrkische Armee.

Amerika

‱ WĂ€hrend der Endphase der Indianerkriege in den Vereinigten Staaten (Anfang der 1860er bis Mitte der 1880er Jahre): Insbesondere Gruppen der Chiricahua-Apachen im Arizona-Territorium und im Norden Mexikos (Chihuahua, Sonora) lieferten zunĂ€chst unter Cochise und zuletzt unter Geronimo der ĂŒberlegenen US-Armee einen zermĂŒrbenden, aber letztlich aussichtslosen Guerillakrieg.
‱ Der 30-jĂ€hrige UnabhĂ€ngigkeitskampf der kubanischen Mambises gegen die spanische Kolonialherrschaft 1868–1898 war in seinen militĂ€rischen Phasen Guerillakrieg und endete mit der Besetzung Kubas durch die USA.
‱ Die Ă€lteste noch heute aktive Guerilla-Bewegung ist die FARC in Kolumbien.
‱ Der Kampf der EZLN fĂŒr die Rechte der indigenen Bevölkerung in Mexiko, seit 1994.
‱ Der Guerillakampf der Gruppe um Che Guevara in Bolivien scheiterte 1967 an der fehlenden UnterstĂŒtzung durch die Bevölkerung.
‱ Von 1967 bis 1973 existierte im Nordosten Brasiliens die kommunistische Guerilla von Araguaia, die von den brasilianischen StreitkrĂ€ften völlig zerschlagen wurde.
‱ Der Kampf des maoistischen Sendero Luminoso kostete in Peru fast 70.000 Menschen das Leben.
‱ Der Kampf der FMLN (El Salvador) und der Guerillagruppen in Guatemala endeten mit Friedensabkommen.

Afrika

‱ Rifkrieg (1921–1926) in Marokko: Rifkabylen bieten der spanischen Besatzungsmacht mehrfach erfolgreich die Stirn, unter anderem in der Schlacht von Annual.
‱ Hendrik Witboi fĂŒhrte von 1895 bis 1905 in Deutsch-SĂŒdwestafrika mehrfach Guerillakrieg gegen die deutsche Kolonialherrschaft, zuletzt im Aufstand der Herero und Nama, an dem auch Jakobus Morenga teilnahm.
‱ Zweiter Burenkrieg (1899–1902) in SĂŒdafrika: Die niederlĂ€ndischstĂ€mmigen Buren verloren zwar gegen die Briten, sie konnten ihnen aber das Dreifache der eigenen Verluste zufĂŒgen und so einen fĂŒr sie gĂŒnstigen Frieden erzwingen.
‱ Portugiesischer Kolonialkrieg (1961–1974): BefreiungskĂ€mpfe um Angola, Moçambique und Guinea-Bissau.
‱ Der Befreiungskampf der SWAPO gegen die sĂŒdafrikanische Fremdherrschaft in Namibia fĂŒhrte 1989/90 in die UnabhĂ€ngigkeit. Namibia wird seitdem von der SWAPO regiert.
‱ Der Befreiungskampf der FRENTE POLISARIO gegen die spanische Kolonialmacht sowie anschließend gegen die marokkanischen Besatzungstruppen (seit 1991 Waffenstillstand unter UNO-Vermittlung).

Geschichte des „kleinen Krieges“

Carl von Clausewitz, aber auch schon vor ihm andere, definierten den „kleinen Krieg“ als den Einsatz leichter Truppen in den Flanken und im RĂŒcken des Gegners – so wurden die Husaren nicht nur zur AufklĂ€rung, sondern auch zur Störung des feindlichen Nachschubs eingesetzt. Bei der Infanterie wurden die Kroaten und die JĂ€ger zum zerstreuten Gefecht eingesetzt. Insbesondere den aus Randvölkern der europĂ€ischen Großreiche gebildeten VerbĂ€nde wie den Kroaten oder Bosniaken kam dieser ihnen vertraute Kleinkrieg als GefechtsfĂŒhrung entgegen. Diese hatten insbesondere im Kampf gegen die TĂŒrken Erfahrungen gesammelt. Von der tĂŒrkischen Armee wurden die Akıncı als leichte Truppe hinter den feindlichen Linie eingesetzt.

Im Amerikanischen UnabhĂ€ngigkeitskrieg (1776–1783) entwickelte sich die Kampfesweise des „kleinen Krieges“ erstmals nicht nur als Widerstandsoperationen kleiner bewaffneter Milizen gegen ĂŒberlegene konventionelle Heere, sondern als umfassende strategische Antwort einer kriegfĂŒhrenden Partei. Die taktisch in offener Formation kĂ€mpfenden britischen Truppen wurden in einen zermĂŒrbenden Abnutzungskrieg verwickelt, den sie schließlich verloren. Seitdem hat sich die KleinkriegfĂŒhrung als asymmetrische Antwort auf die StĂ€rke konventioneller StreitkrĂ€fte etabliert.

Als erste kriegerische Auseinandersetzung mit Guerilla-Charakter und mit diesem Namen gilt der Spanische UnabhĂ€ngigkeitskrieg gegen die französischen Besatzungstruppen 1807 bis 1814, der sich zum Volkskrieg ausweitete. Die regulĂ€ren spanisch-britischen Truppen entschieden zwar den Krieg, irregulĂ€re FreischĂ€rler oder Guerrilleros trugen jedoch erheblich zur Niederlage der Franzosen bei. Dies lag vor allem an der guten Organisation des Widerstands und der fĂŒr einen Kleinkrieg gĂŒnstigen Topographie der Berglandschaften, die gute Unterschlupfmöglichkeiten boten. Im offenen GelĂ€nde konnte sich die Guerillatruppe gegen konventionelle Truppen dagegen nicht behaupten.

Konventionelle Truppen waren damals in erster Linie auf intensive Gefechte und Schlachten im „großen Krieg“ ausgerichtet (Linientaktik). Sie ĂŒbernahmen spĂ€ter allerdings die Kampfesweise der Guerilla, die sich durch ÜberfĂ€lle, Hinterhalte und Angriffe auf die Versorgungslinien im RĂŒcken des eigentlichen Kriegsgeschehens auszeichnete. So wurde der Guerillakampf zu einer taktischen Variante, fĂŒr die auch auf Einheiten mit speziell ausgebildeten Soldaten (meist so genannte JĂ€ger) zurĂŒckgegriffen wurde, weil diese flexibler und mobiler waren als die konventionellen Linientruppen. Charakteristisch fĂŒr den kleinen Krieg waren militĂ€rische Auseinandersetzungen, bei denen zahlenmĂ€ĂŸig kleine Abteilungen Operationen zur SchwĂ€chung des Gegners unternahmen, ohne jedoch eine Entscheidung herbeifĂŒhren zu können. Sie konnte neben großen Operationen des Hauptheeres gefĂŒhrt werden. Typische Beispiele sind der Einsatz der Freikorps der Koalitionstruppen 1813 und der Franc-tireurs 1870. Eine wichtige Rolle spielte auch der RĂŒckhalt der Bevölkerung fĂŒr den Widerstandskrieg irregulĂ€rer Truppen und Banden, wie sich etwa im Tiroler Aufstand unter Andreas Hofer zeigte.

Auch der polnische Aufstand 1863 und der Burenkrieg 1901 wurden mit der Guerillataktik gefĂŒhrt.

Im Russisch-Japanischen Krieg (1904–1905) setzten sich das Kaiserlich Russische Heer in geplanten Guerillaaktionen gegen die japanische Invasion Sachalins zur Wehr.

Rechtliche Bewertung

Die Kampfesweise der Guerilla wird mit Blick auf die Genfer Konventionen und die Haager Landkriegsordnung als unkonventionelle KriegfĂŒhrung bezeichnet. Diese internationalen VertrĂ€ge regeln die rechtliche Basis zwischenstaatlicher bewaffneter Konflikte. Die Guerilla entspricht in ihrer Entstehungsphase eher dem Begriff der levĂ©e en masse, wie er in der Haager Landkriegsordnung definiert ist (daher auch „Volkskrieg“). Erst wenn die Guerilla den letzten Schritt zur Befreiungsarmee vollzogen hat, gelten ihre KĂ€mpfer als Teil einer militĂ€rischen Befehlsstruktur, als Kombattanten gemĂ€ĂŸ Haager Landkriegsordnung. Solange ihr aber die Ausrichtung auf eine Staatsregierung fehlt, gelten Guerilla-KĂ€mpfer als Nichtkombattanten und werden meist als AufstĂ€ndische behandelt und/oder kriminalisiert (z. B. indem man ihnen Diebstahl, Raub oder andere Straftaten zuschreibt).

Dazu gehört die Einrichtung tatsĂ€chlicher oder scheinbarer politisch-demokratischer Strukturen (Asamblea de GuaĂ­maro im Kubanischen UnabhĂ€ngigkeitskrieg oder das Parlament der palĂ€stinensischen PLO) sowie von politischen Auslandsvertretungen in unterstĂŒtzenden Staaten oder in internationalen Organisationen wie der UNO. Die EinfĂŒhrung von klaren Befehlsstrukturen, einer hierarchisch-militĂ€rischen Ordnung mit den dazugehörigen RĂ€ngen soll besonders in der letzten Phase, in der Entwicklung zur Revolutionsarmee, die Gleichwertigkeit der Guerilla gegenĂŒber der konventionellen gegnerischen Armee herausstellen. Erst wenn der Gegner sich gezwungen sieht, mit der Guerilla offiziell zu verhandeln, ist die Anerkennung als kriegfĂŒhrende Partei hergestellt, die sogenannte „Belligerenz“. Die politische Anerkennung durch Staaten von internationaler Bedeutung oder die Anerkennung als Verhandlungspartner durch den Gegner bildet die Grundlage fĂŒr die Erreichung von politischen Zielen der Guerilla (siehe die Diskussion um die Anerkennung der palĂ€stinensischen PLO). Erst als kriegfĂŒhrende Partei können Guerilla-KĂ€mpfer nach einer Gefangennahme den Kriegsgefangenenstatus geltend machen.

Guerillataktik

Die „typische“ Guerillataktik besteht darin, dass kleine, selbstĂ€ndige Kampfeinheiten den ĂŒberlegenen Gegner in seinem Hinterland mit „nadelstichartigen“ militĂ€rischen Aktionen zermĂŒrben und sich sofort nach jedem Einsatz wieder zurĂŒckziehen. Dieses Vorgehen wird auch als Hit and Run bezeichnet (englisch fĂŒr „[zu]schlagen und fliehen“). Außerhalb ihrer KampfeinsĂ€tze sind die GuerillakĂ€mpfer meist nicht als Soldaten erkennbar.

Vorteile

FĂŒr einen Guerillakampf sind keine ausgebildeten Truppen notwendig. Potenziell kann jede Person in der Bevölkerung dem Feind Schaden zufĂŒgen. Im Zweiten Weltkrieg beispielsweise öffneten Mitglieder der RĂ©sistance im besetzten Frankreich oft die Treibstoffventile von ZĂŒgen, sodass diese mangels Treibstoff nicht fahren konnten. FĂŒr solche Aktionen sind weder Erfahrung noch Bewaffnung notwendig. Gleichzeitig muss die gegnerische Armee einen Eroberungskrieg fĂŒhren, also die Guerilla aufspĂŒren und ausschalten. Durch Aktionen wie Hausdurchsuchungen und Ausweiskontrollen zieht sie sich dabei im fĂŒr die Ziele der Guerilla gĂŒnstigsten Fall den Ärger der Bevölkerung zu. WĂ€hrenddessen kann die Guerilla, die sich in der Zivilbevölkerung versteckt, dort zuschlagen, wo der Feind am schwĂ€chsten ist. Attacken auf die Guerilla sind nur sehr schwer möglich, ohne die Zivilbevölkerung zu treffen.

Der Historiker Hugh N. Kennedy fĂŒhrt in seinem Buch Mongols, Huns and Vikings das „Nomaden-Paradoxon“ als einen entscheidenden Vorteil von nomadischen Eroberern gegenĂŒber Hochkulturen an. Er rekurriert dabei bis in die Zeit der ersten stĂ€dtischen Zivilisationen in Mesopotamien zurĂŒck, die trotz ihrer militĂ€rischen Überlegenheit von nomadisch lebenden Völkern besiegt wurden. Deren Vorteil sei neben ihrer hohen MobilitĂ€t gewesen, dass alle erwachsenen MĂ€nner KĂ€mpfer waren und sie ihre AnfĂŒhrer hauptsĂ€chlich aufgrund ihrer kriegerischen FĂ€higkeiten bestimmten, wĂ€hrend in den StĂ€dten die Kommandanten hĂ€ufig aus politischen ErwĂ€gungen heraus ausgewĂ€hlt wurden. Laut dem MilitĂ€rhistoriker Max Boot habe das „Nomaden-Paradoxon“ bis in die Zeiten der modernen Guerillas ĂŒberdauert.cite-ref-13[13]

Nachteile

Unausgebildete und nur schlecht bewaffnete GuerillakĂ€mpfer können der gegnerischen Armee bestenfalls Nadelstiche versetzen, sie jedoch nicht entscheidend schlagen. Dadurch kann sich ein Guerillakampf ĂŒber Jahre und Jahrzehnte hinziehen. Reagiert der Feind mit Terror gegen die Zivilbevölkerung, so kann dies dazu fĂŒhren, dass die Guerilla an RĂŒckhalt verliert. Falls die Guerilla erfolgreich sein will, so muss sie sich ab einem bestimmten Punkt organisieren. Ist die Guerilla zu frĂŒh straff organisiert, kann sie durch Verhaftung eines Mitglieds „aufgerollt“ werden, falls dieser weitere verrĂ€t. Ist die Guerilla jedoch zu lange unorganisiert, kann sie den Kampf nicht gewinnen, weil sie nie Boden erobern und halten kann.

Theoretiker

Johann von Ewald veröffentlichte bereits 1785 in Kassel seine Abhandlung ĂŒber den kleinen Krieg, welche auf seinen Erfahrungen mit den AufstĂ€ndischen in den nordamerikanischen Kolonien beruhten.

Theoretiker des Guerillakrieges gingen bei der Entwicklung ihrer Theorien zumeist von den Erfahrungen wÀhrend des Guerillakrieges in ihren HeimatlÀndern aus. Als bedeutende Theoretiker der Guerillataktik gelten:cite-ref-ldp-3-5[3]

‱ T. E. Lawrence (1888–1935). Lawrence war am Arabischen Aufstand wĂ€hrend des Ersten Weltkrieges beteiligt.
‱ Carl Schmitt (1888–1985)
‱ Hồ ChĂ­ Minh (1890–1969)
‱ Mao Zedong (1893–1976). Von Mao stammt das Bild des Volkes als Wasser, in dem die Guerilla wie ein Fisch schwimmen, die Feinde dagegen ertrinken sollten.
‱ Georgios Grivas (1898–1974)
‱ Charles W. Thayer (1910–1969)
‱ VĂ” NguyĂȘn GiĂĄp (1911–2013). Mao und Giap entwickelten den Gedanken des Volkskrieges.
‱ Carlos Marighella (1911–1969)
‱ Amílcar Cabral (1924–1973)
‱ Che Guevara (1928–1967). Von Che Guevara stammt die Fokus-Theorie, nach der bewaffnete Guerillas einen „Brandherd“ bilden sollten, von dem aus die Revolution in die Bevölkerung hineingetragen werde.
‱ RĂ©gis Debray (* 1940)
‱ Ibn al-Chattab (1969–2002)
‱ Frank Kitson (1926–2024), publizierte zur AufstandsbekĂ€mpfung

Unter dem Begriff der Stadtguerilla versuchte in der Bundesrepublik Deutschland der 1960er und 1970er Jahre die linksextremistische Gruppe RAF an Terminologie und Taktik sĂŒdamerikanischer Befreiungsbewegungen anzuknĂŒpfen.

Anti-Guerilla-KriegsfĂŒhrung

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Hauptartikel

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AufstandsbekÀmpfung

Der Guerillakampf stellt eine konventionelle Armee vor Probleme, die es bei zwischenstaatlichen Kriegen nicht gibt:

‱ Der Gegner ist nicht eindeutig zu identifizieren. Jede Person, etwa in einem besetzten Land, kann stĂ€ndig oder zeitweise zur Guerilla gehören, diese militĂ€risch, logistisch oder politisch unterstĂŒtzen. Das gilt fĂŒr MĂ€nner wie Frauen, auch fĂŒr Kinder, Jugendliche und alte Menschen.
‱ Es gibt keine Front, welche die AnhĂ€nger und Gegner des herrschenden Regimes voneinander trennt. So wird meist von Regionen gesprochen, die von der Regierung oder von der Guerillabewegung „kontrolliert“ werden. Ein Gebiet kann aber auch nachts von der Guerillabewegung und am Tag von der Regierung kontrolliert werden. Der Begriff der Kontrolle ist dabei sehr unbestimmt. So kann es vorkommen, dass derselbe GeschĂ€ftsmann sowohl an die Regierung als auch an die Guerillabewegung Steuern zahlt.

Durch den Einsatz von Kontraguerilla-Einheiten versucht die regulĂ€re Armee, sich der flexiblen KriegfĂŒhrung der Guerilla anzupassen – solche Versuche unternahm etwa die US-Armee im Vietnamkrieg. Nicht zu verwechseln ist dies mit der konterrevolutionĂ€ren Guerilla, die von einer fremden Macht eingesetzt wird, um mit Mitteln der Guerilla-Taktik eine bestehende revolutionĂ€re Regierung anzugreifen – siehe dazu etwa Contra und Contra-Krieg.

Unter dem Vorwand, dass man die Guerilla nach Guerillaart bekĂ€mpfen mĂŒsse, bestand die Antwort angegriffener konventioneller StreitkrĂ€fte immer wieder darin, selbst mit einem eigenen Kampfverhalten zu reagieren, das nicht mehr den Normen regulĂ€rer KriegfĂŒhrung entsprach. Nicht nur die Wehrmacht im Zweiten Weltkrieg ist dafĂŒr ein Beispiel, auch in der jĂŒngeren Geschichte gingen sogar demokratische Staaten angesichts massiver Guerillaangriffe auf die eigenen Truppen dazu ĂŒber, die Zivilbevölkerung in den entsprechenden LĂ€ndern zu schĂ€digen. Im Algerienkrieg griff die französische Regierung zur routinemĂ€ĂŸigen Folter von Inhaftierten und summarischen Exekutionen (sogenannte Französische Doktrin), im Vietnamkrieg gehörte die Entlaubung großer WĂ€lder durch Chemikalien („Agent Orange“), die Zerstörung von Ernten (siehe auch Verbrannte Erde), Politische SĂ€uberungen und vereinzelte Massaker zu den Maßnahmen der US-StreitkrĂ€fte und der sĂŒdvietnamesischen Armee. DarĂŒber hinaus initiierte die CIA das sogenannte Phoenix-Programm, die gezielte Tötung kommunistischer Kader des Vietcong.

Die konventionelle Armee ist durch das Kriegsrecht dazu verpflichtet, humanitĂ€re Mindeststandards zu beachten und muss daher immer versuchen, Zivilbevölkerung und Guerillabewegung voneinander zu trennen. Das kann etwa durch Aufrufe an die Bevölkerung geschehen, bis zu einem bestimmten Zeitpunkt ein Gebiet zu verlassen. Alle nach diesem Zeitpunkt in diesem Gebiet befindlichen Personen werden dann als Guerilleros bezeichnet. Die Bevölkerung, die dieses Gebiet verlĂ€sst, muss untergebracht und versorgt werden, wozu sich das MilitĂ€r meist weder personell, logistisch noch materiell in der Lage sieht. Die so entstandenen campos de reconcentraciĂłn (Kubanischer UnabhĂ€ngigkeitskrieg) oder concentration camps (Burenkrieg) sollten die KĂ€mpfer von der ĂŒbrigen Bevölkerung trennen und damit der konventionellen Armee ein klar umgrenztes Feindesland fĂŒr den Angriff definieren. Die in den Lagern herrschende Not (Hunger, Krankheiten) fĂŒhrt jedoch in der Regel zur politischen StĂ€rkung der Guerillabewegung. Eine freiwillige Aussiedlung von Zivilisten aus den von der Guerillabewegung kontrollierten Gebieten wird dadurch unwahrscheinlich.

Die Guerillabewegung setzt in manchen FĂ€llen ihrerseits die Zivilbevölkerung gezielt unter Druck, sofern diese nicht freiwillig kooperiert, was allerdings in vielen Konflikten des 20. Jahrhunderts der Fall war. Die Nötigung der Zivilbevölkerung kann etwa durch gezielten Terror (Erschießungen, Folter und Vergewaltigungen), erzwungene Geld-, Nahrungs- und Materialabgaben und durch Zwangsrekrutierungen geschehen. Dadurch kann die Zivilbevölkerung in die Situation geraten, von beiden Seiten verdĂ€chtigt zu werden, die jeweils andere zu unterstĂŒtzen. Die FNL im Vietnamkrieg operierte zum Beispiel hĂ€ufig auf diese Weise. Da die Trennung und Evakuierung der Zivilbevölkerung aus den genannten GrĂŒnden oft nicht möglich war, fĂŒhrte das zur unvermeidlichen und unterschiedslosen Bombardierung von Guerillagebieten durch die regulĂ€re Armee, der alle in dem Gebiet befindlichen Personen zum Opfer fielen. Der Zivilbevölkerung bleibt in einer solchen Situation oft gar keine Wahl mehr, neutral zu bleiben, und sie entscheidet sich dann aus Not heraus fĂŒr die eine oder andere Seite. Allerdings kommt es nicht selten vor, dass die Regierungsvertreter oft selbst korrupt sind und die Kommandeure und Soldaten ihrer offiziellen StreitkrĂ€fte persönliche (kriminelle) Ziele verfolgen. Dies fĂŒhrt meist dazu, dass die Zivilbevölkerung sich auf die Seite der Guerillabewegung schlĂ€gt.

Erfolgreichere Anti-Guerilla-Strategien versuchen, die Guerillabewegung politisch zu isolieren. Das kann auf unterschiedliche Weise geschehen:

‱ Die (wirtschaftliche) Lage der Bevölkerung wird verbessert, um Unzufriedenheit zu verhindern/vermindern.
‱ Es wird eine der Guerilla Ă€hnliche Kontraguerilla geschaffen, die im Namen der Guerilla Taten begeht, die der Guerilla angelastet werden und sie in den Augen der Bevölkerung diskreditiert (Vietnam, Kuba).
‱ Da die Guerilla-Einheiten, besonders in ihrer Entstehungsphase, meist dezentralisiert kĂ€mpfen, entstehen hĂ€ufig kĂ€mpfende Einheiten, die nicht die politischen Ziele der Bevölkerung teilen, sondern persönliche Bereicherung oder Macht gewinnen wollen (Caudillismo). Dies kann genutzt werden, um die Guerilla zu diskreditieren

Ein Anti-Guerillakampf ist mit militĂ€rischen Mitteln nur schwer zu gewinnen, weil es aufgrund der fehlenden Unterscheidbarkeit der GuerillakĂ€mpfer von der ĂŒbrigen Bevölkerung nicht möglich ist, die jedenfalls in den frĂŒhen Phasen eines Konfliktes ĂŒberlegene militĂ€rische Macht einzusetzen, ohne gleichzeitig Unschuldige zu treffen. Weiter kann sich die Guerillabewegung immer wieder aus der Bevölkerung verstĂ€rken, solange sie deren UnterstĂŒtzung genießt bzw. ĂŒber ausreichende Mittel zur Zwangsrekrutierung verfĂŒgt.

Die meisten GuerillakĂ€mpfe wurden daher nur politisch gelöst, das heißt entweder durch teilweises oder völliges Nachgeben gegenĂŒber den Zielen der Guerillabewegung oder durch Entfremden der Bevölkerung von der Guerilla (so geschehen bei der IRA).

Unterschiede zwischen Guerilla und Terrorismus

Im Unterschied zu Guerilla zielen Terroristen nicht darauf ab, Gebiete zu erobern oder zu halten, sondern achten darauf, Konfrontation mit feindlichen militĂ€rischen Truppen zu meiden, und ĂŒben selten direkte Kontrolle auf ein Territorium oder dessen Bevölkerung aus.cite-ref-0-15-0[15]

WÀhrend Terroristen hauptsÀchlich unbeteiligte Zivilisten zu ihren Opfern machen, attackieren Guerilla vorrangig feindliche militÀrische StreitkrÀfte.cite-ref-16[16]

Siehe auch

‱ Partisan
‱ Jagdkampf zum Unterschied durch regulĂ€re StreitkrĂ€fte

Literatur

‱ Fritz RenĂ© Allemann: Macht und Ohnmacht der Guerilla. Piper, MĂŒnchen 1974, ISBN 3-492-02006-2.
‱ Alberto Bayo: Ciento cincuenta preguntas a un guerrillero. Erste englische Ausgabe: 150 questions for a guerrilla, ĂŒbersetzt von Hugo Hartenstein und Dennis Harber, Boulder, COLO (Panther Publications) 1963. Spanische Erstausgabe offenbar Mexiko 1955.
‱ Ian F. W. Beckett: Encyclopedia of Guerilla Warfare. Checkmark Books, New York 2001, ISBN 0-8160-4601-8.
‱ Max Boot: Invisible armies. An epic history of guerrilla warfare from ancient times to the present, New York, NY u. a. (Norton) 2013. ISBN 978-0-87140-424-4.
‱ GĂ©rard Chaliand (Hrsg.): Guerrilla strategies. An historical anthology from the Long March to Afghanistan, Berkeley u. a. (University of California Press) 1982. ISBN 0-520-04444-4.
‱ Brigadier C. Aubrey Dixon, Otto Heilbrunn: Partisanen. Frankfurt a. M. 1956 (Originalausgabe Communist Guerilla Warfare, London 1954).
‱ Richard Gott: Guerrilla Movements in Latin America. Seagull, Calcutta [u. a.] 2008, ISBN 1-905422-59-8.
‱ Thomas N. Greene (Hrsg.): The Guerrilla and how to fight him. Selections from the Marine Corps Gazette, New York u. a. (Praeger) 1965.
‱ Werner Hahlweg: Guerilla, Krieg ohne Fronten. Kohlhammer, Stuttgart [u. a.] 1968. (schwedische und italienische Ausgaben).
‱ Werner Hahlweg: Moderner Guerillakrieg und Terrorismus. Probleme und Aspekte ihrer theoretischen Grundlagen als Widerspiegelung der Praxis, in: Manfred Funke (Hrsg.): Terrorismus. Untersuchungen zur Struktur und Strategie revolutionĂ€rer Gewalt, DĂŒsseldorf (Droste) 1977. ISBN 3-7610-7205-8.
‱ Emanuel Halicz: Partisan warfare in 19th century Poland. The development of a concept. Übersetzt aus dem Polnischen von Jane Fraser, Odense (Odense U. P.) 1975. ISBN 87-7492-135-5.
‱ Otto Heilbrunn: Die Partisanen in der modernen KriegfĂŒhrung, Frankfurt a. M. (Bernard & Graefe Verlag fĂŒr Wehrwesen) 1963 (Originalausgabe Partisan Warfare, London 1962).
‱ Beatrice Heuser: Rebellen, Partisanen, Guerilleros. Asymmetrische Kriege von der Antike bis heute, Paderborn u. a. (Schöningh) 2013. ISBN 978-3-506-77605-1
‱ Friedrich August von der Heydte: Der moderne Kleinkrieg als wehrpolitisches und militĂ€risches PhĂ€nomen. Neuauflage, Böttinger, Wiesbaden 1986, ISBN 3-925725-03-2.
‱ Dirk Kruijt/Rey Tristán/Alberto Martín Álvarez (Hg.): Latin American guerrilla movements. Origins, evolution, outcomes, New York/London (Routledge, Taylor & Francis Group) 2020. ISBN 978-0-367-19286-0. ISBN 978-0-367-19359-1. ISBN 978-0-429-24406-3
‱ Robert F. Lamberg: Die Guerilla in Lateinamerika. Theorie und Praxis eines revolutionĂ€ren Modells. Deutscher-Taschenbuch Verl., MĂŒnchen 1972, ISBN 3-423-04116-1.
‱ Werner Mackenbach: Guerilla, in: Historisch-kritisches Wörterbuch des Marxismus, Bd. 5, Argument-Verlag, Hamburg 2001, Sp. 1077–1088.
‱ Bert Levy: Guerrilla warfare, Harmondsworth u. a. (Penguin Books) 1941. Reprint 1964, mit einem Vorwort von Franklin Mark Osanka. Online
‱ Herfried MĂŒnkler: Der Partisan. Theorie, Strategie, Gestalt. VS Verlag fĂŒr Sozialwissenschaften, Opladen 1990, ISBN 3-531-12192-8.
‱ Abdul Haris Nasution: Der Guerillakrieg. Grundlagen der GuerillakriegfĂŒhrung aus der Sicht des indonesischen Verteidigungssystems in Vergangenheit und Zukunft, Köln (BrĂŒckenbauer-Verlag) 1961 (Originalausgabe Fundamentals of Guerilla warfare and the Indonesian defence system past and future, Jakarta, Information Service of the Indonesian Armed Forces, 1953).
‱ Joachim Schickel: Guerrilleros, Partisanen. Theorie und Praxis, MĂŒnchen (Carl Hanser Verlag) 1970.
‱ Carl Schmitt: Theorie des Partisanen. Zwischenbemerkung zum Begriff des Politischen. Berlin 1963. DNB (Neuaufl. Berlin 1995, ISBN 3-428-08439-X.)
‱ Richard Kiessler: Guerilla und Revolution. Parteikommunismus und Partisanenstrategie in Lateinamerika, Bonn-Bad Godesberg (Verlag Neue Gesellschaft) 1975. ISBN 3-87831-192-3.
‱ Percy Cross Standing: Guerilla Leaders of the World from Charette to De Wet, London (Stanley Paul & Co) 1912.
‱ Al J. Venter: Portugal’s guerrilla wars in Africa. Lisbon’s three wars in Angola, Mozambique and Portugese Guinea, 1961–1974, Solihull (Helion) 2013. ISBN 978-1-909384-57-6.
‱ Freudenberg, Dirk: Theorie des IrregulĂ€ren. Partisanen, Guerillas und Terroristen im modernen Kleinkrieg. Wiesbaden 2008.
‱ Nicholas J. Schlosser: U.S. Marines and irregular warfare. Training and education, 2000-2010, Quantico, VA (History Division, United States Marine Corps) 2015. ISBN 9780160927836

Weblinks

Commons

: Guerilla

– Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Wiktionary: Guerilla

– BedeutungserklĂ€rungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Wiktionary: Guerillataktik

– BedeutungserklĂ€rungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

‱ Englische Onlineversion von Alberto Bayo: Ciento cincuenta preguntas a un guerrillero (150 questions for a guerrilla), PDF

Einzelnachweise

cite-note-11. ↑ Guerilla, die. In: duden.de. Abgerufen am 29. August 2021.
cite-note-kluge-22. ↑ Kluge Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache, 24. Auflage, 2002.
cite-note-ldp-33. ↑ Helga Jung-Paarmann: Guerillakrieg in Lexikon der Politik, MĂŒnchen 2003.
cite-note-44. ↑ Vgl. Duden online: Guerillakrieg und Guerillakampf, siehe jeweils unter „Synonyme“.
cite-note-55. ↑ Vgl. Duden online: die Guerilla, Bedeutung 2 und Guerillakrieg
cite-note-66. ↑ Duden online: der Guerilla und GuerillakĂ€mpfer, siehe dort auch weitere Synonyme.
cite-note-77. ↑ Duden online: Guerillero und Guerillera. Duden verzeichnet auch hier nur die leicht eingedeutschte Schreibweise Gueri
; die Schreibweise Guerrillero bzw. Guerrillera (mit Doppel-r wie im Spanischen) wird in der Fachliteratur jedoch ebenso hĂ€ufig verwendet.
cite-note-eduden-88. ↑ Duden «Etymologie» – Herkunftswörterbuch der deutschen Sprache, 2. Auflage, Dudenverlag, 1989.
cite-note-99. ↑ Diccionario de la lengua española: guerra (spanisch)
cite-note-1010. ↑ Arnd KrĂŒger: Sport und Politik. Vom Turnvater Jahn zum Staatsamateur. Hannover: FackeltrĂ€ger 1975.
cite-note-1111. ↑ Eric Hobsbawm, Bandits, Hachette, 2010.
cite-note-1212. ↑ John Anthony Davis, Conflict and control: law and order in nineteenth-century Italy, Macmillan Education, 1988.
cite-note-1313. ↑ Max Boot: The Evolution of Irregular War: Insurgents and Guerrillas From Akkadia to Afghanistan (= Auszug aus Max Boot: Invisible armies. An epic history of guerrilla warfare from ancient times to the present. 2013). In: Foreign Affairs, MĂ€rz/April 2013.
cite-note-141. Vgl. Thomas Sheehan: Friendly Fascism. Business as Usual in America’s Backyard, in: Fascism’s Return. Scandal, Revision, and Ideology since 1980, hrsg. v. J. Richard Golson, Lincoln and London: University of Nebraska Press, 1998, S. 260–300 (PDF (Memento vom 20. Juni 2015 im Internet Archive)).
cite-note-0-1515. ↑ Bundeszentrale fĂŒr politische Bildung: Die Definition von Terrorismus | bpb. Abgerufen am 21. Dezember 2017.
cite-note-1616. ↑ Dietl Wilhelm, Hirschmann Kai, Tophoven Rolf (Hrsg.): Das Terrorismus Lexikon: TĂ€ter, Opfer, HintergrĂŒnde. 2006, ISBN 3-8218-5642-4, S. 20.